Foto: Kochstrasse

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Das Arbeitgebersiegel „Exzellenter Arbeitgeber“ in der Steuerberatung

Ergebnisse und Erkenntnisse

Von Uwe Loof, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Paon GmbH

Zum ersten Mal suchte der Landesverband der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe in Bayern e. V. im Jahr 2020 exklusiv unter seinen Mitgliedern die Kanzleien und Büros, die als „Exzellenter Arbeitgeber“ in der Steuerberatung ihren Mitarbeitern ein ausgezeichnetes Arbeitsumfeld bieten.

Ausgehend von den bisherigen Erfahrungen mit dem Arbeitgebersiegel im Landesverband Niedersachsen/Sachsen-Anhalt konnte der LWSB dabei von einem inhaltlich erweiterten Rahmen in der Durchführung profitieren, der insgesamt auf eine positive Resonanz gestoßen ist:

  • Ergänzende Mitarbeiterbefragung: Für eine noch breitere Entscheidungsbasis zur Auswahl der exzellenten Arbeitgeber wurden erstmals neben der Kanzleibefragung auch eine ergänzende Befragung ausgewählter Mitarbeiter in den jeweiligen Kanzleien durchgeführt.
  • Differenzierte Angebote: Mit Blick auf die unterschiedlichen Bedarfe (z. B. bezüglich Teilnahme an ERFA-Gruppen oder Benchmark-Ergebnissen) konnten die Kanzleien zwischen drei unterschiedlichen Auszeichnungspaketen wählen.
  • Auswertung der Ergebnisse: Den Kanzleien wurde zu den unterschiedlichen Auszeichnungspaketen eine Aufbereitung der Ergebnisse, bis hin zu Vergleichswerten und konkreten Handlungsempfehlungen, zur Verfügung gestellt.

Insgesamt haben sich 75 Kanzleien für das Arbeitgebersiegel des Verbandes beworben. Nach Auswertung der Umfrageergebnisse durch die Paon GmbH erhalten von den teilnehmenden Kanzleien 65 das Qualitätssiegel und dürfen sich bereits ab Januar 2021 stolz „Exzellenter Arbeitgeber 2021“ nennen.

Nicht nur die gute Resonanz für das erste Jahr der Durchführung war erfreulich, sondern auch, dass sich Steuerberatungen mit ganz unterschiedlichen Kanzleigrößen für das Arbeitgebersiegel beworben haben. Die Kanzleien mit 6–15 Beschäftigten stellten mit 44 % den größten Anteil. Regional war die Nachfrage noch recht unterschiedlich verteilt.

Einblick in die teilnehmenden Kanzleien

Zu den Personalstrukturen in den teilnehmenden Kanzleien fällt auf, dass die demografische Entwicklung in den nächsten Jahren eine Herausforderung werden wird. Bereits knapp 6 % der Beschäftigten sind älter als 60 Jahre, rund 25 % älter als 50 Jahre.

Die für die Nachwuchssicherung sehr relevante Ausbildungsquote in den beteiligten Kanzleien bewegt sich mit 10 % auf einem derzeit guten Niveau. Um den steigenden Personalbedarf der Kanzleien auch in Zukunft gut abdecken zu können, setzt dies eine hohe Übernahmequote nach Ausbildungsende und eine konsequente Fortführung der starken Ausbildungsanstrengungen in den Kanzleien voraus.

Ein kurzer Einblick in die aktuelle Situation

Zum Befragungszeitpunkt im Oktober 2020 waren in den Kanzleien bereits 446 Stellen zur Nach- bzw. Neubesetzung vakant, davon allein 91 in der Funktion Steuerberater auf Partner- bzw. Gesellschafterebene.

Die Personalaufwendungen nehmen mit durchschnittlich 58 % einen signifikanten Anteil an den Gesamtaufwendungen der Kanzleien ein und bewegen sich damit auf einem ähnlichen Niveau der Kanzleien anderer Landesverbände, die ebenfalls im Jahr 2020 das Arbeitgebersiegel vergeben haben.

Für die Zukunft wird überwiegend in den beteiligten Kanzleien von einem weiteren Anstieg der Personalkosten ausgegangen. Trotz der besonderen Rahmenbedingungen infolge der Corona-Pandemie bewerteten die Kanzleien die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr überwiegend gut und konstant. Für die nächsten drei Jahre wird überwiegend eine positive Geschäftsentwicklung erwartet. Auch danach gehen die befragten Kanzleien weiterhin von einer eher steigenden Geschäftsentwicklung aus.

Erkenntnisse und Ergebnisse

In den Ergebnissen ist erkennbar, dass ein Großteil der Kanzleien – über alle Kanzleigrößen verteilt – im Rahmen ihrer Strategie die Digitalisierung hoch priorisiert und die Möglichkeiten der Digitalisierung sowohl für die Optimierung der internen Organisation und Prozesse als auch für eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Mandanten nutzt.

Bei den anstehenden Veränderungen werden von den „Exzellenten Arbeitgebern“ die Beschäftigten aktiv mit eingebunden, was sich auch seitens der Mitarbeiter wertschätzend in den Ergebnissen der Mitarbeiterbefragungen wie auch in der Mitarbeiterbindung widerspiegelt. Die bereits in hohem Maße erfolgte Etablierung eines regelmäßigen Dialogs – z. B. auch im Rahmen von Mitarbeitergesprächen – mit den Beschäftigten nimmt sowohl nach der Einschätzung der Kanzleien als auch der befragten Mitarbeiter eine zentrale Rolle bei der gezielten Mitarbeiterentwicklung als auch bei der Personalbindung ein.

In nahezu allen beteiligten Kanzleien nimmt eine konsequente interne Personalentwicklung von der Nachwuchsgewinnung bis hin zur kontinuierlichen Qualifizierung eine sehr hohe Bedeutung ein und ist eine klare Stärke der gesamten Branche, die am Arbeitsmarkt noch stärker positioniert werden kann.

Bei der Mitarbeiterbindung werden von den teilnehmenden Kanzleien immer mehr Möglichkeiten genutzt, u. a. durch verbesserte Führungsstrukturen wie den Aufbau von Team-Leitungsfunktionen in Großkanzleien und eine zielgerichtete Weiterentwicklung der bestehenden Vergütungssysteme, bei denen Zusatz- und Sozialleistungen eine immer größere Rolle spielen.

Erkennbarer Handlungsbedarf

Angesichts der zahlreichen Veränderungen in der Steuerberatung gilt es, die langfristige Ausrichtung der Kanzlei für alle Beschäftigten transparent zu gestalten. In diesem Punkt sieht ein Teil der teilnehmenden Kanzleien für die Zukunft noch einen konkreten Handlungsbedarf.

Die bisherigen Personalplanungen fokussieren bislang eher den kurzfristigen Betrachtungszeitraum. In Zukunft soll auch der mittel- und langfristigen Planungshorizont stärker in den Fokus genommen werden, um z. B. auf neue Qualifikationsanforderungen im Rahmen der Digitalisierung gezielter reagieren zu können.

Beim Personalmarketing liegt der stärkste Handlungsbedarf. Die Vermarktung der eigenen Arbeitgebermarke wird meist noch unzureichend genutzt und das bei einer steigenden Zunahme weiterer Wettbewerber. Es gilt vor allem, die Alleinstellungsmerkmale der Kanzlei und der eigenen Arbeitgebermarke deutlicher herauszustellen – bei allen Kanzleigrößen.

In der Personalgewinnung werden überwiegend noch traditionelle Methoden in der Personalgewinnung genutzt, die klassische Stellenausschreibung dominiert dabei unverändert. Um auf den steigenden Personalbedarf sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht angemessen zu reagieren, sollte das gesamte Spektrum von Methoden und Instrumenten genutzt werden, auch digitale Lösungen.

Mit der kontinuierlichen Qualifizierung wird die Wissensbasis in den Kanzleien auf einem guten Niveau gehalten. In puncto Wissenstransfer, z. B. bei der internen Weitergabe von Wissen nach Qualifizierungsmaßnahmen oder von erfahrenen Mitarbeitern an jüngere Kollegen, ergibt sich für einen Großteil der teilnehmenden Kanzleien noch ein Entwicklungsbedarf.

Für die ausgezeichneten „Exzellenten Arbeitgeber 2021“ werden ERFA-Gruppen angeboten, die sich unter anderem mit der offensiven Vermarktung des Arbeitgebersiegels sowie dem Thema „Wie werde ich ein besserer Arbeitgeber?“ befassen. Um den Anforderungen der unterschiedlichen Kanzleigrößen gerecht zu werden, gibt es zwei Gruppen: Für Kanzleien mit bis zu 15 Mitarbeitern und mit mehr als 15 Mitarbeitern.

Falls auch Sie Interesse an der Teilnahme für das Arbeitgebersiegel des LSWB haben: Im Oktober 2021 startet die nächste Runde!