Foto: Hochschule Landshut

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Duales Studium Steuerberatung

Neuer Bachelor-Studiengang an der Hochschule Landshut

Von Peter Küffner, LSWB-Ehrenpräsident

Durchbruch beim Landshuter Modell: Erweiterung durch überregionalen Zugang zur Berufsschule 2 Landshut, Spezialklasse für Auszubildende „Steuerfachangestellte“ mit Studienberechtigung an der Berufsschule 2 Landshut. Effizienter Schulunterricht mit konzentriertem Studiengang „Steuerberatung“ an der Hochschule Landshut zum Bachelor-Abschluss nach insgesamt vier Jahren. Ein erster Überblick für Auszubildende und Steuerkanzleien, was neu ist:

1. Berufsschule

Das Bayerische Kultusministerium hat die bisher lokal begrenzte Schulsprengelregelung für Schüler des Ausbildungsberufs Steuerfachangestellte teilweise aufgehoben und die Regierungen gebeten, für den anerkannten Ausbildungsberuf „Steuerfachangestellte“ im Rahmen des Dualen Studiums „Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Steuern“ oder „Steuerberatung“ an der Hochschule Landshut gemäß Art. 43 Abs. 5 BayEUG ab der Jahrgangsstufe 10 mit Wirkung des 1. Augusts 2021 anzuordnen, die Schüler an die Staatliche Berufsschule 2 Landshut zu entsenden. Den abgebenden Berufsschulen wird empfohlen, Gastschulanträge bereits zu Beginn der Jahrgangsstufe 10 positiv zu bescheiden.

Damit können Auszubildende aus ganz Bayern die Berufsschule 2 Landshut besuchen.

Die Landshuter Berufsschule 2 hat bereits Vorkehrungen für die Ausbildung im Berufsziel Steuerberatung geschaffen. Nach zwei Berufsschuljahren kann die Prüfung bei der Steuerberaterkammer abgelegt werden. Das wird ermöglicht, indem in einer Spezialklasse durch zusätzlichen Unterricht, das sogenannte „Plusprogramm“, in den prüfungsrelevanten Fächern im ersten und zweiten Ausbildungsjahr der Stoff der 12. Jahrgangsstufe komprimiert vorgezogen wird. Dabei werden Fachthemen vermittelt, die für das anschließende Duale Studium an der Hochschule Landshut zielführend sind.

Allein dieser kompakte Lehrbetrieb begründet die sachlichen und persönlichen Voraussetzungen für interessierte Schüler und Studenten mit Studienberechtigung (Zeugnis der Hochschulreife und qualifizierte Berufstätige (gemäß Art 45 BayHSchG). Selbstverständlich gehören Leistungsbereitschaft und -befähigung und nicht zuletzt Begeisterung dazu, eine spezielle, aber konzentrierte und zeitlich definierte Ausbildung in praktischer (Kanzlei) und theoretischer Begleitung (Berufsschule, Hochschule) aufzunehmen.

Nähere Auskünfte zum Besuch der Berufsschule 2 Landshut über Frau Tanja Zeis, Schulleiterstellvertreterin, unter Tel. 0871 97334-0 oder tanja.zeis@BS2-landshut.de.

2. Ausbildungsbetrieb/Kanzlei

Im ersten Berufsschuljahr besucht der Auszubildende an zwei Tagen in der Woche die Berufsschule während der üblichen Schulzeiten. Im zweiten Berufsschuljahr wird die Berufsschule nur an einem Tag besucht, zugleich beginnt ein besonders anspruchsvolles Programm, bei dem neben dem Berufsschultag auch das Hochschulstudium im ersten und zweiten Semester belegt wird.

Dank des vertieften fachlichen Unterrichts in der Spezialklasse haben die Studierenden genügend Vorkenntnisse erworben, um den anfänglichen Studienanforderungen zu entsprechen. Zeitliche Entlastung im Studium ergibt sich überdies, weil für einzelne erbrachte Berufsschulleistungen im Studium sogenannte ECTS (Creditpoints) angerechnet werden. Insgesamt ist die Phase des zweiten Berufsschuljahrs also sehr anspruchsvoll und verlangt von Schülern und Studierenden organisatorische Disziplin und besonderen Wissensdurst. Nach der Abschlussprüfung an der Berufsschule und der Kammerprüfung zum Steuerfachangestellten kann nahtlos das Studium an der Hochschule fortgesetzt werden. Der Studierende kann mit seiner Kanzlei ein Teilzeitarbeitsverhältnis eingehen und legt seinen Zeitplan für das „Studium mit paralleler Berufspraxis“ selbst fest. Mit abgelegter Kammerprüfung wird sich der konkrete Zeitbedarf für Studium und Tätigkeit in der Kanzlei ergeben, zumal an der Hochschule grundsätzlich keine Anwesenheitspflicht besteht.

3. Hochschulstudium

Der Bachelorstudiengang „Steuerberatung“ ist neu. Denn bislang war im Bachelorstudium Betriebswirtschaftslehre die Steuerausbildung nur ein Fachgebiet. Jetzt wurde ein eigenständiger und einzigartiger Studiengang entwickelt. Dafür haben sowohl das Bayerische Kultusministerium als auch die Regierung von Niederbayern neue Initiativen aufgegriffen: Die Berufsschule 2 Landshut kann Schüler aus ganz Bayern aufnehmen und in einer Spezialklasse mit Sonderprogramm „Steuerberatung“ ausgewählte fachliche Grundlagen für das neue Bachelorstudium vermitteln.

Ziel des an der Hochschule Landshut neu geschaffenen Studiengangs Steuerberatung ist, den Studierenden die Anwendung von vertieften Kenntnissen, Fähigkeiten und Methoden in berufsbezogenen Fachgebieten zu vermitteln. Das mittlerweile bewährte Studium „Betriebswirtschaft im Dualen Verbundmodell mit Schwerpunkt Steuern“ – auch „Landshuter Modell“ genannt – ist somit fachlich erweitert und stark auf Kanzleibedarf und Personalentwicklung ausgerichtet. Dadurch kann in vier Jahren sowohl die Ausbildung zum Steuerfachangestellten als auch das Hochschulstudium mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts (BA) samt beiden berufsqualifizierenden Abschlüssen erworben werden.

Grundlage ist ein fundiertes wirtschaftswissenschaftliches Studium. Betriebswirtschaftliche Zusammenhänge vermitteln die akademische Basis für moderne steuerberatende Tätigkeiten. Die Studierenden erwerben darüber hinaus spezifische Fach- und Methodenkenntnisse aus dem Steuerrecht. Die verpflichtenden Steuerlehrinhalte reichen deutlich über das hinaus, was üblicherweise in einem betriebswirtschaftlichen Bachelor-Studium angeboten wird. Selbstverständlich werden mit diesem Studium sowie praktischer Berufstätigkeit nachfolgend angestrebte weitere Berufsexamen erleichtert. Der neue Studiengang umfasst jetzt Module wie Internationales Steuerrecht, Umwandlungssteuerrecht, AO/Verfahrensrecht, Bewertungsrecht, Bilanz(steuer)recht, Handels- und Gesellschaftsrecht oder „Digitalisierung in der Steuerberatung“, also auch aktuell zukunftsorientierte Fachgebiete.

Um die kurzzeitige Mehrfachbelastung mit Berufsschule, Hochschule und Kanzlei erträglich zu halten, rechnet die Hochschule bestimmte in der Berufsschule erbrachte Leistungen an. Bei diesem sogenannten „ausbildungsintegrierten Studiengang“ entfallen Module wie externes Rechnungswesen und Grundlagen Steuern. Teilweise Anrechnung ist bei Veranstaltungen über Wirtschaftsprivatrecht/Gesellschaftsrecht sowie Kosten- und Leistungsrechnung möglich.

Beibehalten wurde das bewährte Konzept der sogenannten „Kompetenzmodule“. Diese bieten im letzten Studienjahr nochmals eine intensivierte Ausrichtung auf die spätere Berufstätigkeit. Das Kompetenzmodul „Ertragsteuerrecht“ ist verpflichtend zu belegen, andere Module sind wählbar, bspw. aus Fachgebieten wie Rechnungslegung, Wirtschaftsprüfung, Finanzmanagement, Controlling oder Wirtschaftsinformatik.

Mit dem neuen Studiengang wird den Studierenden der Weg für eine überaus spannende, aber auch herausfordernde Tätigkeit im steuerberatenden Beruf mit überragenden Berufsperspektiven geebnet. Und das an einer Hochschule, die von Studierenden als „Bayerns beliebteste Hochschule“ beurteilt wird.

Fragen zum Studium Steuerberatung beantwortet Prof. Dr. Thomas Zinser gerne unter thomas.zinser@haw-landshut.de.

Allgemeine Fragen zum dualen Studium werden unter dual@haw-landshut.de geklärt.

4. Unternehmensentwicklung

Die Pandemie hat Angebot und Nachfrage an Ausbildungsplätzen rigoros einbrechen lassen. Auch die Digitalisierung in den Unternehmen bewirkt heftige Einschnitte. Geschäftsmodelle und betriebliche Abläufe sind nicht mehr die von ehedem. Ebenso bleibt in den Steuerkanzleien mit ihren Schnittstellen zu Unternehmen und Behörden bei Datentransfer und Auswertung kein Stein mehr auf dem anderen. Denn das allgemeine betriebswirtschaftliche Fach- und Methodenwissen wird durch digitale Technologien zunehmend verändert.

Deshalb erfüllt dieses duale Studium heute schon absehbare Anforderungen. Software wird Prozessabläufe steuern, Verwaltungsarbeiten und Rechtsanwendungen werden digital optimiert. Buchführungsergebnisse oder Berichtserfordernisse laufen mehr und mehr automatisiert und ohne menschliche Eingriffe ab. Betriebswirte als künftige Steuerberater können durch diesen neuen Studiengang zu kritischem Denken befähigt werden, um wirtschaftliche Strukturen oder Probleme zu identifizieren und den Rohstoff Datenbestand lösungsorientiert aufzubereiten. Das Studium „Steuerberatung“ wird berufsbefähigte Absolventen befördern.