Foto: Halfpoint/adobe stock

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Homeoffice in Zeiten von Corona

Übergangsmodell oder dauerhafter Wandel?

Von Sabin Kastner, Steuerberaterin und LSWB-Vorstandsmitglied

Die Corona-Pandemie war und ist der bestimmende Faktor im deutschen Wirtschaftsleben und führt zwangsläufig zu Veränderungen im Arbeitsleben. Im Zuge der Erstellung tragfähiger Hygienekonzepte hat sich dabei die Arbeit im Homeoffice als eine Art „Allheilmittel“ etabliert. Dies wirkt auf den ersten Blick auch schlüssig, da dieses Konzept gleichermaßen den gebotenen Abstandsregeln wie auch dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Arbeitnehmer gerecht wurde.

Die weiteren Vorteile der Einrichtung solcher Arbeitsplätze liegen auf der Hand:

Arbeitnehmer sind zeitlich flexibler, sparen den Arbeitsweg und damit verbundene Kosten und können aus einem gewohnten Umfeld heraus arbeiten. Der Arbeitgeber kann durch das Konzept langfristig Arbeitsraum einsparen und sich gleichzeitig potenziellen Bewerbern als fortschrittlicher und flexibler Arbeitgeber präsentieren.

Für viele Unternehmen und insbesondere auch für Steuerkanzleien bringt die Arbeit im Homeoffice aber auch einige Herausforderungen mit sich:

Zunächst stellt sich ein Hardware-Problem. Kanzleien und Büros, in denen Präsenzarbeit der Normalfall ist, verfügen in der Regel nicht über eine ausreichende Anzahl an Laptops, mit denen die Arbeitnehmer zu Hause arbeiten können. Zwar ist die Arbeit grundsätzlich auch vom privaten Laptop oder PC aus möglich, jedoch sind hier weitere Schritte wie beispielsweise die Installation bestimmter Software oder die Einrichtung eines VPN-Tunnels erforderlich.

Des Weiteren gewinnt das Thema Datenschutz nicht erst seit Einführung der DSGVO stetig an Bedeutung und die Arbeit zu Hause kann die Einhaltung der ohnehin schon hohen Standards weiter erschweren. So besteht gerade bei Arbeitnehmern mit Familie die Gefahr, dass unberechtigte Personen Kenntnis von datenschutzrechtlich relevanten Tatsachen erhalten. Dies gilt insbesondere für Fälle, in denen dem Arbeitnehmer, etwa aufgrund der Größe der Wohnung, kein abgetrenntes Arbeitszimmer zur Verfügung steht.

Hiermit in Zusammenhang stehen auch die Themen der Qualität der Arbeit und der Motivation. Gerade im familiären Umfeld muss mit einer Vielzahl an Ablenkungen und Unterbrechungen gerechnet werden, die sich oft auf die Qualität und Effizienz der Arbeitsleistung auswirken. Auch ist zu beachten, dass die Aufhebung der räumlichen Trennung von Arbeit und Freizeit/Familie zu Stress führen kann.

Eine weitere Herausforderung ist die interne Kommunikation. Zwar gibt es insbesondere mit Video-Meetings eine Alternative zum Gespräch im Büro, allerdings kann hier keinesfalls von einer gleichwertigen Alternative zum alltäglichen Miteinander in einem Arbeitsumfeld mit persönlichem Austausch und direktem Feedback gesprochen werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Homeoffice sicher ein wichtiges Element einer progressiven Arbeitswelt darstellt und aufgrund seiner vielen Vorzüge weiter an Bedeutung gewinnen wird. Aus den genannten Gründen entspricht das Homeoffice aber oft nicht den Erfordernissen der konkreten Situation und kann sich sogar kontraproduktiv auswirken.

Daher sollten bei der Frage, ob die (teilweise) Einrichtung eines solchen Arbeitsplatzes Sinn ergibt, immer sämtliche Umstände und Bedürfnisse des Einzelfalls einbezogen und miteinander abgewogen werden. Nur dann kann tatsächlich von einer Win-Win-Situation gesprochen werden, die wirklichen Fortschritt darstellt.