Prof. Thomas Zinser mit Studenten am Steuerberatertag in Berlin

Prof. Thomas Zinser mit Studenten am Steuerberatertag in Berlin

Landshuter Modell: Innovation in Sachen Ausbildung

Hervorragende Perspektiven in einem krisensicheren Beruf

Von Peter Küffner, LSWB-Ehrenpräsident

Landshuter Steuerberater haben für ihre Auszubildenden zum Steuerfachangestellten ein bundesweit einmaliges Modell entwickelt. Diese Gemeinschaftsinitiative von Berufsangehörigen, Berufsschule 2 Landshut und Hochschule Landshut für angewandte Wissenschaften kann bereits lokal auf erste Erfolge verweisen und ist zudem im Oktober 2019 in Berlin mit dem von den Mitgliedsverbänden gestifteten jährlichen Ehrenpreis des Deutschen Steuerberaterverbands ausgezeichnet worden (s. auch LSWB-Magazin 5/2019, S. 29 oder lswb-aktuell.bayern/landshuter-modell-ausgezeichnet).

Die Berufsausbildung zum Steuerfachangestellten ist dem Grunde nach sowieso schon ein besonders herausgehobener Berufsweg, der etliche erfolgversprechende Tätigkeiten ermöglicht. Viele Branchen suchen Steuerfachleute und in der Steuerberatung ist bei lebenslangem Lernen die Beschäftigungsmöglichkeit absolut unabhängig von konjunkturellen Umbrüchen oder wirtschaftlichen Abschwächungen. Ganz im Gegenteil, unsere Gesellschaft braucht den Beruf des Steuerberaters, der als Organ der Rechtspflege die gesetzesmäßige Besteuerung der Bürgereinkommen gewährleistet. Steuerberatung heute setzt Ausbildung und Sachkunde in Buchführung und Betriebswirtschaft, in Rechtsanwendung von Gesetzen der Besteuerung und Sozialversicherung voraus.

Eine moderne Dynamik kommt hinzu: die Digitalisierung und die damit verbundene Automatisierung im Rechnungswesen, in Digitalanalysen und insbesondere im Datenaustausch der Unternehmen mit den Behörden. Das Steuerbüro ist heute quasi eine Datendrehscheibe. Das kann nur durch moderne Ausbildung erfahren und fortentwickelt werden. Deshalb ist eine Tätigkeit in der Steuerberatungskanzlei auch weiterhin ein krisensicherer Beruf mit herausragenden Zukunftsperspektiven.

Daher war es naheliegend, dass die Landshuter Steuerberater sich wieder engagierten. Bereits 1974 wurde von Günter Graf und Peter Küffner gemeinsam mit der Volkshochschule Landshut eine Eigeninitiative gestartet: Dem damals noch als Lehrlinge bezeichneten Berufsnachwuchs wurde erstmals eine theoretisch begleitende Zusatzschulung zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung vor der Berufskammer ermöglicht.

Diesmal kam die Initiative von Georg Birnkammer, dem begeisternden und angesehenen Studiendirektor i. R. an der Berufsschule 2 in Landshut. Er wusste um seine lernwilligen Schüler, aber ebenso um die tatsächlichen Veränderungen im Berufsbild sowie die Erwartungen der Ausbilder, wonach mehr denn je fundierte theoretische Grundlagen eben aus dem zugehörigen Hochschulwissen erforderlich seien. Thomas Zinser war begeistert, konnte er doch als bestellter Steuerberater und zugleich Professor für Betriebswirtschaft und Steuerlehre selbst die beruflichen Voraussetzungen bestens einschätzen und der Hochschule eine neue, zielbewusste und leistungsfähige Studentenklientel zuführen.

In aufwendiger Kleinarbeit wurde ein erstes Konzept gefunden, das schon der fließenden Rahmenbedingungen wegen steter Entwicklung bedarf. Dieses Landshuter Modell „Duales Studium Steuerberatung“ beruht schulisch auf der zweijährigen Sonderklasse in der Berufsschule. Zudem beginnt bereits im zweiten Berufsschuljahr das parallel ablaufende Studium an der Hochschule Landshut, das dort nach drei Jahren mit dem Abschluss Bachelor of Arts (B. A.) endet. Damit wird ermöglicht, dass der dual Studierende innerhalb von insgesamt vier Jahren sowohl seinen Berufsabschluss Steuerfachangestellter als auch den akademischen Grad des Bachelor of Arts erwirbt.

Selbstverständlich ist das Landshuter Modell nicht für alle Berufsanfänger oder Ausbildungsbetriebe geeignet. Wer sich vor Leistung und Zeitdruck nicht fürchtet, der ist wohl auch leistungswillig und leistungsfähig. Das gilt aber auch für die kostentragenden Ausbilder, die das praktische Anlernen im Beruf ermöglichen und während des Hochschulstudiums den praxisorientierten Teilzeitarbeitsplatz vorhalten. Dabei wird die Mitarbeit in der Kanzlei so gewählt, dass erlebte Praxis mit theoretischem Studium sich thematisch ergänzen. Alles zum Vorteil des Studenten, der in sein Berufsfeld quasi automatisch hineinwächst. Und, das Investment der Kanzlei ist wahrlich sozial, wird der Jugend und dem Bildungsauftrag unserer Gemeinschaft gerecht.

Schließlich hat die Hochschule Landshut unter ihrem Präsidenten Prof. Dr. Karl Stoffel und im engen Schulterschluss mit der Berufsschule 2, namentlich der Leitung mit Elisabeth Wittmann und Tanja Zeis, diesem Modell mit integrierter Berufs- und Hochschulausbildung grundlegend den Weg geebnet. Nunmehr sind der Dekan Prof. Dr. Marcus Fischer und Prof. Dr. Zinser gemeinschaftlich mit befassten Professoren gebeten, den Ansatz praxisgerecht zu vervollkommnen. Dazu gehören vor allem die zeitlich koordinierten Angebote an Vorlesungen, Seminaren und Übungen, damit dem dual Studierenden genügend Raum für sein engagiertes Studium und zugleich der Kanzlei wöchentlich ausreichende Praxisvermittlung verbleibt. Denn Studium und Praxis sollen, wie zuvor bereits in der zweijährigen Berufsschule, harmonisch ergänzt ohne Fehlstunden ablaufen. Zudem soll den Wünschen der Ausbildungsbetriebe folgend, die steuerrechtliche Ausbildung bereits in den ersten Semestern und fortdauernd vermittelt werden.

Das Landshuter Modell als Unikat mit zielführender Ausrichtung von angewandter Wissenschaft kann oder besser sollte überdies bundesweite Geltung für die Steuerberatung erlangen.