Foto: Koto Amatsukami/adobe stock

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Beiratswahl Wirtschaftsprüferkammer 2022

Interview mit Ingrid Menges und Andreas L. Huber

Von Prof. Dr. Winfried Schwarzmann

Winfried Schwarzmann: Frau Menges, Herr Huber, Sie sind seit vielen Jahren in der Wirtschaftsprüfung tätig. Die vergangenen Jahre unterscheiden sich deutlich von den Jahrzehnten davor. Was hat Sie besonders bewegt und beschäftigt?

Ingrid Menges: Besonders betroffen hat mich im Kalenderjahr 2020 insgesamt die Corona-Pandemie mit der Auswirkung auf Unternehmen, insbesondere die Unsicherheit für die Unternehmen, für welche Unterstützungen und weitere Hilfsmaßnahmen sehr spät, eigentlich erst gegen Ende 2020 verabschiedet wurden und ein Geldfluss erst in 2021 zu verzeichnen war. Die Herausforderung für diese Unternehmen war sehr hoch, damit verbunden auch die erforderliche Begleitung durch den Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Wir konnten bislang erfolgreich helfen.

Andreas L. Huber: Erstaunlich war für mich, wie gut und schnell sich die Unternehmen auf die neue Situation eingestellt haben. Auch die Kanzleien der Kolleginnen und Kollegen: Vieles ging digital und ohne Präsenz vor Ort.

Schwarzmann: Aus jedem Schlechten kann auch etwas Gutes entstehen, heißt es gerne. Was nehmen Sie für die nächsten Jahre aus dem Vergangenen mit?

Menges: In den vergangenen drei Jahren bis in die Gegenwart haben Zusammenbrüche großer namhafter Unternehmen zu einem Vertrauensverlust der prüfenden Berufe geführt, den es zu widerlegen gilt. Die in früheren Jahren geforderten grundlegenden Prüfungshandlungen sind einzuhalten und dürfen nicht im Rahmen einer risikoorientierten Prüfungsbetrachtung ignoriert werden.

Natürlich ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz erforderlich, jedoch ist auch bei Verwendung von Checklisten m. E. eine persönliche Durchsicht relevanter Positionen erforderlich. Es muss wieder eine Wertschätzung für die Tätigkeit aufgebaut werden.

Huber: Das Verständnis von Geschäftsmodellen ist für die Prüfung die Grundvoraussetzung, nicht die „abgehakte“ Checkliste. Der Berufsstand muss sich künftig um die bessere Kommunikation kümmern. Die katholische Kirche hat es vor Jahrzehnten geschafft, das Latein in der Kirche durch die Landessprache zu ersetzen. Der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer findet jedoch nach wie vor bei seinen Aussagen Erfüllung in generalklauselartigen Schachtelsätzen, die nicht mal ein Rundfunksprecher fehlerfrei vorlesen kann. So kann kein Verständnis für unsere Arbeit geschaffen werden.

Schwarzmann: In den Kanzleien ist gutes Personal Mangelware. Seit Jahren beklagt der Berufsstand auch massive Nachwuchssorgen. Haben Sie zielgerichtet Vorschläge für die Kollegenschaft?

Menges: Das Berufsfeld des Wirtschaftsprüfers ist auch für die Zukunft interessant und attraktiv, insbesondere für die jüngere Generation. Das müssen wir nur deutlich machen. Eine über die Grenzen Deutschlands hinausgehende Verflechtung der Unternehmen ist stark zunehmend. Schon dies bietet Möglichkeiten einer beruflichen Entwicklung, an welche in früheren Jahren in diesem Umfang nicht zu denken war. Damit können auch Auslandsaufenthalte und beruflicher Aufstieg zu verzeichnen sein, was nach meiner Beobachtung die junge Generation sicherlich reizt.

Die Wirtschaftsprüferkammer ist hinsichtlich der Qualifikation für Mitarbeiter aktiv geworden, wie auch die Bundessteuerberaterkammer mit der Schaffung weiterer Qualifikationsmaßnahmen von Fachassistenten. Zur Berufsgewinnung werden von Seiten der Steuerberaterkammern, der Wirtschaftsprüferkammer, wie den Berufsangehörigen viele Möglichkeiten eröffnet. Wir dürfen nur nicht aufhören, uns gut zu präsentieren.

Huber: Sehr richtig! Auch die nunmehr einsetzende Orientierung an Umweltberichterstattung und Nachhaltigkeit werden das Berufsbild prägen. Wir sind ja Meister in der Kommunikation mit Zahlen und in der Darstellung der Umwelt und ihrer wirtschaftlichen Zusammenhänge in Zahlen. Dies darf intensiver herausgestellt werden, hier haben wir eine neue Verantwortung, zusätzlich zur bisherigen fiskalischen Fokussierung. Da gilt es auch am Standardsetting aktiv mitzuarbeiten.

Der LSWB und die Kollegialverbände im DStV müssen hier künftig selbst wesentlich intensiver und ganzheitlich die Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung in der Gestaltung der Rechnungslegung und Berichterstattung repräsentieren.

Ein Wort zum Schluss: Der LSWB wird sich auch für die lange verhinderte Zusammenführung der Berufe in der Wirtschaftsprüferkammer einsetzen, so es der Wähler zulässt. Bitte unterstützen Sie die Kolleginnen und Kollegen, die sich in der Doerschell-Liste und der Menges-Liste zusammengefunden haben, mit Ihren Stimmen!

Schwarzmann: Frau Menges, Herr Huber, wir bedanken uns für das Gespräch.  

Information

WPK-Beiratswahl 2022: Unterstützen Sie die Kolleginnen und Kollegen des LSWB

Weitere Kandidaten für den Beirat der Wirtschaftsprüferkammer auf der gemeinsamen Liste von DStV und IDW sind:

  • Evi Lang
  • Karl Petersen
  • Wolfram Rappl
  • Marcus Tuschen

www.doerschell-liste.de