Martin Rötzer, einer der geistigen Väter des Programms.

Martin Rötzer, einer der geistigen Väter des Programms.

Ein Tool aus der Praxis für die Praxis

Der hmd.taxplanner vereinfacht die Planung der Einkommenssteuer

Von Heiko Haffmans

In der Buchhaltung gehört eine langfristige Planung der zu erwartenden Gewinne und Liquidität zum Pflichtprogramm. Bei der Einkommensteuer ist das oftmals noch nicht der Fall. Auch weil es bislang an geeigneten Tools hierzu fehlte. Der „hmd.taxplanner“ schließt diese Lücke. Das Besondere: Das Planungstool ist ein Programm aus der Praxis für die Praxis.

Die Geschichte des hmd.taxplanners beginnt bereits Ende der 1980er. Damals verwendet man das Wort „digital“ vor allem im Zusammenhang mit Armbanduhren. Viele Steuerberaterkanzleien besitzen nicht mal einen PC – geschweige einen „Personal Computer“ pro Arbeitsplatz. Und dennoch herrscht vielerorts informationstechnologische Aufbruchsstimmung. So auch in der Kanzlei Kastl & Kollegen in München – die immerhin schon zwei Rechner ihr Eigen nennt.

Kanzleigründer Wolfgang Kastl gehört zu jenen Steuerberatern, die schon in den 80er Jahren den neuen Technologien aufgeschlossen gegenüberstehen – trotz eines konservativen Mandantenstamms. Zu diesem gehören auch zahlreiche Landwirte. Diese Mandantengruppe zeichnet aus, dass sie ihre Einkünfte aus zahlreichen verschiedenen Einkommensarten, zum Beispiel aus Verpachtung und Immobilienbesitz, bezieht und regelmäßig bedeutende langfristige Investitionen abschreiben kann. Die Berufsgruppe bietet sich also geradezu für eine Einkommensteuervorausplanung an. Kastl baut sich in Excel eine Tabelle mit zahlreichen dynamischen Variablen. Sie macht die Einkommensteuer seiner Mandanten auf mehrere Jahre planbar. Das Problem: Ständig muss er neuen gesetzlichen Regelungen Rechnung tragen und das Tool erweitern und verändern. Der Pflegeaufwand steigt immer weiter an. 1997 muss die Kanzlei ihr Steuerplanungstool Marke Eigenbau aufgeben. Es bleibt die schöne Erinnerung.

Fruchtbare Zusammenarbeit

In der Gegenwart angekommen, hat Kastl & Kollegen selbstverständlich PCs für jeden Mitarbeiter, und auch der Mandantenstamm hat sich erneuert und verjüngt. Viele Landwirte haben seit den 1980er Jahren ihren Hof aufgegeben, dafür konnte die Kanzlei Mittelständler und Gewerbetreibende als Mandanten gewinnen. „Doch auch für dieses Klientel ist die langfristige Einkommensteuervorausplanung sinnvoll. Der Traum eines einfach zu bedienenden Tools hierzu war bei uns nach wie vor präsent“, berichtet Martin Rötzer, Partner bei Kastl & Kollegen. „Wieder und wieder brachten wir das Thema bei unserem Systemanbieter hmd zur Sprache.“ Schlussendlich bewahrheitet sich die alte Weisheit, nach der steter Tropfen den Stein höhlt: Anfang 2015 entscheidet sich das Unternehmen aus dem oberbayerischen Andechs, gemeinsam mit der Kanzlei Kastl & Kollegen ein Tool zur Einkommensteuervorausplanung zu entwickeln.

Zunächst legt man gemeinsam das Fähigkeitenspektrum des Programms fest. „Zuweilen haben wir dabei die Programmierer auch wieder eingefangen: Der Taxplanner sollte keine ‚Eier legende Wollmilchsau‘ werden, sondern ein einfach zu bedienendes, übersichtliches Tool.“ Während der Programmierphase holt hmd immer wieder Feedback von den Steuerberatern ein. Diese verprobe  die Software anschließend und prüfen sie anhand echter Fälle auf Herz und Nieren. Die Zusammenarbeit ist für beide Seiten fruchtbar. Schließlich leben Steuerberater und Programmierer in arg verschiedenen Arbeitswelten. Beide Seiten lernen viel über die Arbeits- und Denkweisen des anderen Berufsstands.

Mandantenmehrwert generieren

Das Ergebnis der ungewöhnlichen Kooperation ist ein Programm, das über einen Zeitraum von mehreren Jahren die genaue Planung der Einkommensteuer ermöglicht und diese auch noch für den Mandanten visualisiert. Es berücksichtigt dabei externe Faktoren, wie beispielsweise die Renovierung einer Mietwohnung, Sonderabschreibungen, eine Betriebsaufgabe oder Kinder (siehe Kasten).

Rötzer veranschaulicht das am Beispiel eines fiktiven Mandanten, der mehrere Mietwohnungen besitzt. „Für den Mandanten ist es vorteilhaft, dass die Mieteinkünfte auf die jeweiligen Objekte runterbrechbar sind“, so Rötzer. „Er sieht also genau, welches Objekt seine Steuerlast wie beeinflusst.“ Hierdurch kann man spielen: Wie wirkt sich die Inanspruchnahme eines IAB, eine Sonderabschreibung auf die Einkommensteuer 2016 und 2017 aus? Welche Auswirkungen hat die großzügige Renovierung von Wohnung B? Und was passiert, wenn die Ehegattin nächstes Jahr in Elternzeit geht? Rötzer tippt diese unzähligen Variablen ein, und in Sekundenschnelle verändern sich Grenzund Durchschnittssteuersätze.

Doch es gibt zahlreiche weitere Anwendungsmöglichkeiten. So verfügen die Nutzer der Software nicht nur eine Zukunftsplanung, sondern auch über eine umfassende Historie der Steuer ihrer Mandanten. Das hat zum Beispiel den Vorteil, dass man Änderungen im Rahmen einer Betriebsprüfung schnell einpflegen kann und unmittelbar die steuerlichen Auswirkungen sieht. „Das Tool lässt sich auch zur Überprüfung von festgesetzten Einkommensteuervorauszahlungen nutzen“, erläutert Rötzer. Auf diese Weise kann die Sinnhaftigkeit eines Herabsetzungsantrags geprüft und dieser gleichzeitig als Berechnungsgrundlage beim Finanzamt eingereicht werden.

So ermöglicht das Tool, realistisch zu planen, die künftige Steuerbelastung zu minimieren oder im Voraus Maßnahmen in die Wege zu leiten, wenn die Steuerbelastung zu explodieren droht. Der große Vorteil des Programms liege aber nicht in der Planung selbst, erklärt Rötzer: Eine sinnvolle Einkommensteuervorausplanung könne man auch ohne ein Computer-Tool anfertigen. „Wir können allerdings den hmd.taxplanner im Beisein unserer Mandanten einsetzen und mit ihnen die unterschiedlichen Szenarien durchspielen“, so der Steuerberater. „Unsere Mandanten spüren dabei sehr konkret den Mehrwert der Zusammenarbeit mit uns.“ Sprich: Das Programm ist auch ein Marketing-Instrument, das das Dienstleistungsangebot der Kanzlei sinnvoll erweitert und Neuerträge generiert.

Nach Rötzers Erfahrung zeigen sich die Mandanten sehr angetan, wenn ihr Steuerberater ihnen am Laptop die Steuerplanung für die nächsten drei Jahre präsentieren kann und dabei individuell auf Ziele und Wünsche eingeht. „Unsere eigentliche Arbeit, die letztlich über die Zufriedenheit des Mandanten entscheidet, beginnt aber erst im Anschluss“, so Rötzer.