Geschützt gegen Stress

Geschützt gegen Stress

Wie die eigene Widerstandskraft uns stark macht

Von Sigrid Rahlfes, DAK-Gesundheit

Unberechenbar, komplex, schnell, stressig – die Arbeitswelt macht es niemandem leicht, gesund zu bleiben. Mehr denn je braucht es die Fähigkeit, krisenresistent zu sein, auf seine Widerstandskräfte bauen zu können.

Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen. Dies ist ein amüsantes Bild, das auf sehr treffende Weise diejenige Fähigkeit beschreibt, die Wissenschaftler als Resilienz bezeichnen: eine psychische Widerstandskraft, mit der es Menschen gelingt, allen Widrigkeiten und Krisen zum Trotz auf ihre innere Stärke zu vertrauen, Herausforderungen anzunehmen, sich auch von Extremsituationen nicht aus der Bahn werfen zu lassen, im besten Fall sogar gestärkt aus Schwierigkeiten hervorzugehen. Wer kann das? Etwa ein Drittel der Menschen, die von existenziellen Krisen betroffen sind. Sie reagieren auf negative Lebensumstände eben nicht mit physischen oder psychischen Erkrankungen. Das ist wissenschaftlich belegt. Das Thema Resilienz hat seit seinem Aufkommen in den 1950er Jahren erheblich an Brisanz gewonnen. Damals konnte die amerikanische Psychologin Emmy Werner in einer 40 Jahre andauernden Langzeitstudie an 700 hawaiianischen Kindern nachweisen, dass schwierige Ausgangssituationen nicht zwangsläufig ein gesellschaftliches Scheitern im Erwachsenenalter implizieren. Resilienz ist also durchaus erlernbar und nicht angeboren.

Resilienz als Fähigkeit wird zunehmend wichtiger – für Einzelpersonen wie für Unternehmen. Denn Lebenskrisen tangieren auch den Job. Wer einen kranken Angehörigen zu versorgen hat, den Tod eines Partners betrauert, wer Mobbing am Arbeitsplatz ausgesetzt ist oder dort das Gefühl hat, als Mensch nicht wertgeschätzt zu werden, dessen psychische Widerstandskraft sinkt. Krankheiten und Fehltage sind die Folgen.

Resilienz in Unternehmen

Die Arbeitswelt wird immer vielschichtiger, der Innovationsdruck steigt mit den Anforderungen, Schnelligkeit ist gefragt, ein rasches Reagieren auf neue Herausforderungen. Permanente Veränderung kennzeichnet die Arbeitswelt 4.0, die vierte industrielle Revolution, in der die Digitalisierung alle Lebensbereiche fest im Griff hat – in einer solchen (Arbeits-)Welt bleiben physische und psychische Probleme nicht aus.

Schlafstörungen, Burn-out, Depressionen können Auswirkungen der sich wandelnden Arbeits- und Lebenssituationen sein. „Seelische Gesundheit“, so Dr. Hans-Peter Unger, „bedeutet keinesfalls nur, sich wohl zu fühlen, sondern in der Lage zu sein, Krisen zu meistern.“ Forschungen zum Thema Resilienz hätten die Frage, warum es Menschen gibt, die trotz schwerster Lebensumstände nicht krank werden, erstaufgeworfen, und „auf diejenigen Faktoren hingewiesen, die die seelische Widerstandskraft stärken“, so der Chefarzt am Zentrum für seelische Gesundheit an der Asklepios Klinik Harburg. Wer über Stehaufmännchen-Qualitäten verfügt, der begegnet in der Regel den Herausforderungen von Digitalisierung und neuer Arbeitswelt gelassener.

Das stärkt die Resilienz

Soziale Unterstützung und das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen (Selbstwirksamkeit) begünstigen die innere Stärke. Optimismus, Probleme pro-aktiv angehen, Zielorientierung, ein stabiles Selbstwertgefühl und das Vertrauen darauf, selbst Einfluss nehmen zu können, sind weitere Kennzeichen für Menschen, deren psychische Widerstandskraft sie durch Krisen hindurchlotst. Noch in Ausnahmesituationen auf die sich bietenden Chancen und Möglichkeiten zu schauen, lösungs- statt problemorientiert zu denken, das macht echte resiliente Menschen aus.

Information

Mehr zum Thema Resilienz im fit!-Online-Magazin der DAK unter magazin.dak.de/mit-belastungen-umgehenlernen und auf dem 1. LSWB-Gesundheitstag am 2. Mai in München. Infos und Anmeldung unter: www.lswb-akademie.bayern/gesundheitstag. Fragen zum neuen Resilienz-Coach der DAK können Sie zum Ortstarif gerne unter der DAK BGM-Hotline stellen: 040 325325720.