Aller Ehren wert

Aller Ehren wert

Das LSWB-Ehrenamt vorgestellt

Dipl.-Bw (FH) Werner Merkel, Steuerberater und Fachberater für Internationales Steuerrecht

Ehrenämter im Verband:
» Leiter der Zweigstelle Nürnberg
» 1. Stellvertretender Vorsitzender Bezirk Nord

LSWB-Magazin: Wie würden Sie sich in drei Sätzen beschreiben?

Werner Merkel: Da sollten Sie besser meine Mitarbeiter oder Stammtischfreunde fragen, bitte aber nicht meine Frau. Mal im Vertrauen gesprochen, habe ich leider einen Hang zum Perfektionismus, was für meine Mitmenschen nicht immer leicht ist. Andererseits bin ich ausgeglichen, nicht kleinlich und relativ unkompliziert, was das hoffentlich wieder wett macht. Ich mag die Geselligkeit, bin aber auch gerne mal für mich und werkle dabei am liebsten in aller Ruhe vor mich hin. Mir macht es Spaß, in der Natur zu sein. Ich brauche es nicht besonders schick, habe aber auch nichts dagegen, wenn es mal etwas feiner zugeht. Im meinem Wohnwagen im Bayerischen Wald halte ich mich besonders gerne auf.

LSWB-Magazin: Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie nicht den steuerberatenden Beruf ergriffen hätten?

Merkel: Hoffentlich auch was G’scheits.

LSWB-Magazin: Warum sind Sie Mitglied im LSWB?

Merkel: Weil wir als Steuerberater zusammen mit unseren WP-Kollegen beruflich nur überleben können, wenn unsere Interessen in einem starken Verband gebündelt und nach Berlin und Brüssel getragen werden.

LSWB-Magazin: Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich im LSWB?

Merkel: Sich ehrenamtlich für eine Gemeinschaft einzusetzen ist wahrscheinlich genetisch bedingt. Die Eigenschaft, habe ich von meinem Vater geerbt. Wird einem ein Amt angetragen, kann man sich innerlich kaum wehren, weil man es ja auch will. Neben dem LSWB bin ich noch Mitglied im Vorstand der Steuerberaterkammer und der Lebenshilfe Nürnberger Land. Außerdem muss es ja irgendjemand machen und gemessen an dem, was man bewirken kann, hält sich der Aufwand einigermaßen in Grenzen.

LSWB-Magazin: Was möchten Sie für den Beruf durch Ihr Engagement im Ehrenamt erreichen?

Merkel: In erster Linie geht es natürlich darum, den Beruf möglichst in seiner jetzigen Form zu erhalten, damit auch kleinere Kanzleien eine reale Überlebenschance haben. Dazu gehört, dass die Arbeit einträglich genug bleibt, damit der Aufwand, erst einmal StB/in zu werden, die Verantwortung für Mandanten und Mitarbeiter zu tragen und das Haftungsrisiko ausreichend entlohnt werden.

Nicht umsonst wurde der Beruf vom Staat in diesen Status gehoben. Wir sind das Bindeglied zwischen dem Steuerbürger und dem Staat und sorgen schon seit 100 Jahren dafür, dass Steuererklärungen korrekt erstellt und der Verwaltung in sehr gut verarbeitungsfähigem Zustand geliefert werden. Die Bestrebungen der EU, liberalisierend in den Steuerberatungsmarkt einzugreifen, halte ich für gefährlich, denn für diese Tätigkeit braucht man eine umfangreiche und aufwendige Ausbildung. Das kann halt einfach nicht jede/er. Die Verwaltung wird sich wundern, wenn Steuererklärungen nicht mehr mit der Geschmeidigkeit, wie bisher, bearbeitet werden können.

Mich würde es freuen, wenn mehr Kolleginnen und Kollegen aktiv im Verband mitmachen.

LSWB-Magazin: Wo sehen Sie den steuerberatenden Beruf in zehn Jahren?

Merkel: Natürlich findet eine Marktbereinigung statt. Das ist ein dynamischer Prozess, und das war schon immer so. Allerdings muss uns auch klar sein, dass der Druck im Kessel überproportional ansteigt und z. B. die Herausforderungen der Digitalisierung nicht so leicht von kleinen Kanzleien bewältigt werden können. Man erkennt doch jetzt schon eine Verdichtung zu größeren Einheiten, die durch Standardisierung und Nutzung von Synergien wirtschaftlicher agieren können.

Sollten die Vorbehaltsaufgaben fallen, ist das über kurz oder lang das sichere Aus für kleinere Kanzleien, denn damit wird der ohnehin schon enge Markt unter zu vielen Marktteilnehmern aufgeteilt. Die wegbrechenden Mandate können nicht durch andere „Geschäftsfelder“, wie z. B. betriebswirtschaftliche Beratung aufgefangen werden, weil das bei der Klientel kleinerer Kanzleien als Selbstverständlichkeit gesehen und sowieso nicht bezahlt werden will. Damit tobt der Preiskampf, verbunden mit der Folge, dass die Qualität heruntergefahren werden muss.