Einzelkämpferkanzleien tun sich schwerer

Einzelkämpferkanzleien tun sich schwerer

Das Geschäftsfeld Nachfolgeberatung und die Kanzleinachfolge aus Bankensicht

Gemeinsam mit der LSWB-Akademie veranstaltet die VR-Bank Nürnberg zweimal im Jahr den Unternehmensnachfolge-Tag in der mittelfränkischen Metropole. Die Veranstaltungsreihe bildet Steuerberater so weiter, dass sie ihre Mandanten bei der Übergabe ihrer Firmen unterstützen können. Aber wie steht es um die eigene Nachfolgeplanung? Der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank, Dirk Helmbrecht, berichtet aus der Praxis.

LSWB-Magazin: Die VR-Bank Nürnberg organisiert regelmäßig gemeinsam mit dem LSWB Veranstaltungen zur Unternehmensnachfolge. Warum geht das Thema Bank und Steuerberater gleichermaßen an?

Dirk Helmbrecht: Wir sind beide Partner des Mittelstands. Hier erleben wir gerade einen Generationswechsel – eine Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Für Unternehmen, die eine Nachfolgeregelung planen, sind Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Hauptansprechpartner. Wir als Bank sitzen aber im gleichen Boot. Und wir können helfen, dass Steuerberater ihre Mandanten noch umfassender und besser beraten können, etwa zu Finanzierungs- und Anlagethemen oder bei Fragen zu öffentlichen Mitteln.

LSWB-Magazin: Sind Steuerberater mit dem Thema Nachfolgeplanung ausreichend vertraut?

Helmbrecht: Das ist unserer Erfahrung nach von Kanzlei zu Kanzlei sehr unterschiedlich. Deshalb ist eine stetige Weiterentwicklung in diesem Bereich gut und wichtig. Bei juristischen Fragen sind Steuerberater schon heute gewohnt, Fachbeistand zu suchen. Das sollte bei Finanzierungsthemen nicht anders sein.

LSWB-Magazin: Wie steht es bei Ihren Kunden aus der Steuerberaterbranche um die Planung der eigenen Kanzleinachfolge?

Helmbrecht: Auch sehr unterschiedlich: Wir sehen aber die Tendenz, dass sich „Einzelkämpferkanzleien“ mit dem Thema schwerer tun als größere Einheiten. Das liegt wie so oft vor allem an Personen – also am Inhaber, der sich mit dem Ende seiner Karriere und der Zeit danach nicht beschäftigen will, auch weil ihm gefühlt die Zeit fehlt. Das ist aber eine Nachlässigkeit, die spätere Handlungsspielräume einengt. Und der Druck auf die kleineren Einheiten – das sagen alle Studien – wird zunehmen.

LSWB-Magazin: Existieren aus Bankensicht Besonderheiten bei Nachfolgeplanungen von Freiberuflern?

Helmbrecht: Es gibt sicherlich Besonderheiten bei Freiberuflern, die sie zum Beispiel vom produzierenden Gewerbe unterscheiden. Dazu gehören unterschiedliche Kundenstrukturen oder einzelne Bewertungsfragen. Grundsätzlich sind diese Unterschiede allerdings vor allem von der Rechtsform und vom Inhaber abhängig.

LSWB-Magazin: Welche Punkte müssen bei der Nachfolgeplanung besonders beachtet werden?

Helmbrecht: Hier gilt ähnliches wie bei anderen Unternehmen auch: Der Erbfall muss frühzeitig geregelt sein. Es sollte ausreichend Zeit für die Nachfolgersuche und dessen Einarbeitung eingeplant werden. Denn eine professionelle Einführung des Nachfolgers oder der Nachfolgerin ist entscheidend für das Gelingen der Kanzleiübergabe. Wichtig ist auch, realistische Erwartungen in Bezug auf den Wert der eigenen Kanzlei zu haben.

Für den Nachfolger gilt: Einzelaspekte sollten nicht überbewertet werden. Es zählt das große Ganze.

LSWB-Magazin: Welche Hilfestellungen kann die Hausbank Steuerberatern bei der Nachfolgeplanung anbieten?

Helmbrecht: Wir sind der Partner für den finanziellen Part. Das geht los bei der Business-Case-Erstellung. Wir helfen aber auch bei der Beantragung öffentlicher Fördermittel. Durch die Zusammenarbeit mit vielen Kanzleien sind wir der ideale Partner in Finanzierungsfragen. Zudem haben wir eigene Nachfolgerbörsen. Und natürlich stehen wir dem Verkäufer auch für Vermögens- und Anlagefragen zu Verfügung. Im Grunde sind wir Ihre „Steuerberaterbank“, weil auch die persönliche Beziehung zum Kunden maßgeblich ist und gelebt wird.

LSWB-Magazin: Herr Helmbrecht, vielen Dank für das Interview.