Viel mehr Chancen als Gefahren

Viel mehr Chancen als Gefahren

Von Heiko Haffmans

LSWB-Magazin: Ist die Digitalisierung eher Chance oder eher eine Gefahr?

Richard Deußen: Sie ist definitiv eine Chance für den Berufsstand. Der technische Fortschritt ermöglicht es uns, Verfahren, die wir anwenden, zu verbessern. Hierdurch können wir wirtschaftlicher arbeiten und auch langfristig wettbewerbsfähig bleiben. Perspektivisch können wir Dank der Digitalisierung in bestimmten Bereichen Arbeitskräfte einsparen und hierdurch die schlimmsten Folgen des demografischen Wandels abmildern.

LSWB-Magazin: Wie wird die Digitalisierung den Berufsstand verändern?

Deußen: Der Berufsstand oder vielmehr die Art und Weise, wie wir unseren Beruf ausüben, wird sich wandeln. Die Studie Steuerberatung 2020 der Bundessteuerberaterkammer zeigt ziemlich genau auf, wohin die Reise geht: Allgemein gesprochen können wir prognostizieren, dass sich gerade im Bereich der Einzelkämpferkanzleien das Berufsbild weg vom Generalisten hin zum spezialisierten Berater bewegt. Kanzleien nutzen verstärkt die Möglichkeiten, die ihnen die Digitalisierung bietet, um neue Geschäftsfelder zu erschließen, zum Beispiel die betriebswirtschaftliche Beratung. Wenn die Geschäftszahlen unserer Mandanten ohnehin vorliegen, warum diese nicht aufbereiten und zum Wohle des jeweiligen Unternehmens nutzen?

LSWB-Magazin: Was sind die derzeit wichtigsten Digitalisierungsprojekte, die für den Berufsstand anstehen?

Deußen: Ganz klar die Digitalisierung der Finanzbuchhaltung durch das Ersetzende Scannen. Hier wird es bereits mittelfristig große Veränderungen der Tätigkeiten geben. Das manuelle Buchen verschwindet und damit auch das Berufsbild des Buchhalters, wie wir ihn kennen. Vermutlich fallen ganze Geschäftsfelder weg.

LSWB-Magazin: Welche Schwierigkeiten ergeben sich hieraus aus der Praxis?

Deußen: Wir erleben schon heute den Trend zu größeren Einheiten. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen und sogar beschleunigen. Gerade kleinere Kanzleien, die jetzt nicht entschieden an ihren Prozessen und ihrer IT-Infrastruktur arbeiten, drohen auf der Strecke zu bleiben. Vor diesem Hintergrund ist es höchst problematisch zu sehen, dass viele, vor allem kleinere Praxen der Digitalisierung immer noch mit großer Skepsis begegnen.

LSWB-Magazin: Wie können Berater – besonders Inhaber kleiner Kanzleien – diese Herausforderung meistern?

Deußen: Zunächst müssen sie die Herausforderung annehmen. Dann allerdings stehen ihnen zahlreiche Hilfestellungen zur Verfügung. Ganz aktuell zum Beispiel die Seminare zum Ersetzenden Scannen und zur GoBD, die die Kollegialverbände anbieten. Oder die Handreichungen, die aus der Arbeit des Verbändeforums EDV entstehen: So versenden wir nicht nur zwölfmal im Jahr einen Newsletter, der jeweils ein Thema aus unserer Arbeit komprimiert aufbereitet, sondern erarbeiten Excel- Tools, Stellungnahmen und Verfahrensdokumentationen sowie Checklisten. Zudem veröffentlichen wir regemäßig Hinweise auf der Website des DStV.

LSWB-Magazin: Herr Deußen, vielen Dank für das Interview.